IN EIGENER SACHE ...

 

Kritik des Autors an der Rezension seines Buchs „Hitlers NS-Führungsoffiziere 1944/45. Die letzten Propagandisten des Endsieges, Aachen 2019, durch Oberstleutnant PD Dr. John Zimmermann in der „Militärhistorischen Zeitschrift“,79/2 (2020), S. 603-606

Kommentare einblenden ein/ausblenden

Rezensent:
„‘Hitler‘ auf dem Buchdeckel ist stets verkaufsfördernd – selbst dann, wenn es wie in diesem Fall irreführend ist. Denn die durch den ‚Führer-Erlass‘ vom 22 Dezember 1943 implementierten Nationalsozialistischen Führungsoffiziere waren institutionell wie personell Teil der Wehrmacht und sollten die Soldaten des ‚Dritten Reiches‘ letzten Ende für eine Kriegführung fanatisieren, die ihren militärischen Zweck längst verloren hatte. Dabei handelte es sich um eine Gemeinschaftsproduktion von Wehrmacht- und politischer Führung, die deren Willen mindestens ebenso entsprach wie den Absichten des ‚Führers‘.

Kritik:
Weshalb der Rezensent meint, dass ‚Hitler‘ auf dem Buchdeckel ‚irreführend ist‘, kann logisch kaum belegt werden. Adolf Hitler war es, der im Wesentlichen dafür verantwortlich war, dass der Nationalsozialistische Führungsoffizier (NSFO) eingeführt wurde, zwar mit Unterstützung der obersten Führung der Wehrmacht, aber doch gegen manche Bedenken seitens der nachgeordneten Führungsebene in den drei Wehrmachtteilen. Den ‚Führer-Erlass‘ letztlich als sogenannte ‚Gemeinschaftsproduktion von Wehrmacht- und politischer Führung‘ (in dieser Reihenfolge) anzusehen, ist zumindest diskussionswürdig, denn die Initiative ging von Hitler und der NS-Führung aus und nicht von der Wehrmacht.



Rezensent:
„Der 130-seitige Hauptteil besteht wenigstens zur Hälfte aus abgeschriebenen Dokumenten oder deren Fragmenten, die längst aus früheren Veröffentlichungen bekannt sind. Die größte Schwierigkeit besteht hier darin, die nicht überall klar gekennzeichneten wörtlichen Übernahmen von den Aussagen Lapps zu unterscheiden.“

Kritik:
Die Studie, die ausdrücklich keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebt, ist nicht für die Spitze der deutschen Militärhistoriker geschrieben worden, sondern für einen breiten Leserkreis von zeitgeschichtlich Interessierten. Deshalb war die umfangreiche Wiedergabe der bereits seit Jahrzehnten verstreut vorhandenen Dokumente notwendig, wobei sich auf das Wesentliche beschränkt wurde. Wenn der Rezensent Schwierigkeiten hatte, die überall klar gekennzeichneten wörtlichen Übernahmen von ‚den Aussagen Lapps zu unterscheiden‘, ist das bei einem intensiven Lesen der entsprechenden Passagen eigentlich schlecht möglich.



Rezensent:
“Zudem hat Lapp von den 14 im Quellenverzeichnis angeführten Findbüchern sechs nicht nachweislich genutzt.“

Kritik:
Was soll diese ‚unwahre Tatsachenbehauptung‘? Alle 14 CAMO-Dokumente konnte ich einsehen und habe das für mich Relevante über die NSFO ausgesucht und in die Studie eingebracht. Nicht alles, was ich eingesehen habe, ist von mir aber verwandt worden. Woher will der Rezensent wissen, dass ich „nachweislich“ sechs Findbücher nicht genutzt habe? Diese Feststellung soll offenbar die Glaubwürdigkeit des Autors in Frage stellen.



Rezensent:
„Wunderlich sind .. eine ganze Reihe von Leerzeichen-, Trennungs-, Zeit- und Rechtsschreibfehlern, die bei einem professionellen Lektorat .. hätten ausgebessert werden müssen. So werden die Begriffe ‚Russen‘ und ‚Sowjets‘ weitgehend synonym verwendet, das ‚Dritte Reich‘, der ‚Endsieg‘ oder der ‚2. Weltkrieg‘ gleich in mehrfach unterschiedlicher Schreibweise angeboten, immer wieder ist vom ‚Kriegsausbruch‘ zu lesen, vom ‚Ostfeldzug‘ und der ‚wehrgeistlichen Führung‘…

Kritik:
Wenn man weiß, dass sich ein so kleines, unabhängiges Unternehmen wie der Helios-Verlag kein professionelles Lektorat leisten kann und ohne Zuschüsse auskommt und auch die Autoren nicht vorab zu Druckkostenzuschüssen verpflichtet, muss man leider in Kauf nehmen, dass o.a. Fehler vorkommen, die zu Lasten des Autors gehen, ebenso wie unterschiedliche Schreibweisen. Das zu monieren, scheint aber auch auf „sprachpolizeiliche“ Absichten des Rezensenten hinzuweisen, dem offenbar bestimmte Begriffe zuwider sind. Und der Hinweis auf den witzigen Schreibfehler „wehrgeistliche Führung“ (statt „wehrgeistige F…“, wie in der Regel dutzendfach in richtiger Schreib-weise im Buch), verrät nur Humorlosigkeit…



Rezensent:
„Schwerwiegender ist freilich die Kolportage längst widerlegter Legenden: Zu behaupten, dass es beispielsweise für die ‚massenweise Ermordung von Juden und Russen seit Sommer 1941 (…) seinerzeit (…) keine Beweise‘ gab (S. 9), dass die Zeitgenossen nicht daran glauben konnten, ‚dass man Millionen Menschen umbrachte und ins Gas schickte‘, weil dies ‚jenseits der Vorstellungskraft normaler Menschen‘ war (ebd.), überrascht angesichts des breit gebildeten Autors wenigstens.“

Kritik:
In diesem Zusammenhang wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nach Ansicht vieler Zeithistoriker sich „das Wissen um die massenweise Ermordung von Juden und Russen seit 1941 verbreitete“, auch in der deutschen Bevölkerung und in der Wehrmacht. Das kann man sicher unterschreiben. Dieses Wissen mag sich in der Tat „verbreitet“ haben, aber selbst die damaligen Feindmächte und der Vatikan hatten bis etwa Mitte 1944 manche Zweifel an solchen Informationen. Dass man Millionen Menschen umbrachte, verhungern ließ und ins Gas schickte, war damals jenseits jeder Vorstellungskraft normaler Menschen. Diese Ansicht von mir als naiv zu bezeichnen, ist abwegig; der Rezensent urteilt aus heutigem Wissen.
Dass die Führung der Wehrmacht frühzeitig davon wusste, ist auch durch Aussagen der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 bekannt. Die Masse der Bevölkerung und der Soldaten ahnte vermutlich etwas von diesen Verbrechen, aber Beweise gab es dafür eben nicht. Wenn diese unfassbaren Verbrechen in der Bevölkerung und der Truppe mehrheitlich bekannt gewesen wären, hätten die Nazis bis 1944 bei den Menschen keine Massenbasis mehr gehabt und die deutschen Soldaten keine Motivation mehr für ihr Weiterkämpfen im Glauben an ihr Land. Und die große Masse deutscher Soldaten, ihre Unteroffiziere, Offiziere und Generale (der Ostfront) sind so wenig Nazis gewesen wie die große Masse der damaligen Feinde Kommunisten; auf beiden Seiten hatte man geglaubt, seinem Vaterland dienen und es verteidigen zu müssen. Aussagen des früheren Bundeskanzlers und ehemaligen Wehrmachtoffiziers Helmut Schmidt, die gerade auch heutige Militärhistoriker im geistigen Tornister haben sollten. Die große Mehrheit der rund 18 Millionen deutscher Soldaten war nicht an den NS-Verbrechen beteiligt, was auch der heutige Kommandeur des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften (ZMS/Bw) in Potsdam einräumt.




Rezensent:
„Mehr als ärgerlich lesen sich .. Aussagen Lapps, der Wehrmachtführung sei es im März 1943 ‚in erster Linie um die Abschöpfung von Wirtschaftskraft aus den besetzten Gebieten und um die Werbung von Ostarbeitern für den Einsatz im 3. Reich’ gegangen, um ‚alle Möglichkeiten zur Mobilisierung der einheimischen Ressourcen‘ zu erreichen und ‚durch eine Befriedung der besetzten Ostgebiete den Zulauf zu den Partisanen zu verhindern‘ (S. 16).“

Kritik:
Warum das für den Rezensenten „ärgerlich“ ist, erschließt sich dem Autor nicht. Denn ich habe nur aus einem gemeinsamen Papier eines Abwehr-Offiziers und eines Armee-Betreuungsoffiziers zitiert (Titel: „Der deutsche Soldat und seine politische Aufgaben im Osten“). Diesen Offizieren des AOK 4 ging es in erster Linie um die Abschöpfung von Wirtschaftskraft; ich habe nicht behauptet, dass es „der Wehrmachtführung in erster Linie“ darum ging, obwohl es unstrittig ist, dass die Wehrmacht wegen der Totalisierung des Krieges bemüht war, alle Möglichkeiten von wirtschaftlichen Entnahmen aus den besetzten Gebieten zu nutzen.



Rezensent:
„Auch argumentativ mangelt es der Studie mitunter an einfacher Logik, wenn Lapp zum Beispiel schreibt, die propagandistischen Handreichungen für die NSFO seien ‚von der Realität an der Jahreswende 1943/44 aus heutiger Sicht Lichtjahre entfernt‘ gewesen, und er auf derselben Seite dazu kommentiert, sie hätten durchaus ‚etwas Wahres‘ angeboten (S. 23).“

Kritik:
Damit war auf eine „Analyse“ des NSFO des AOK 4 eingegangen, in der man festhielt, dass der im Westen und Süden geführte Krieg bisher „nach europäischem Stil geführt“ wurde und weiter meinte, dass in diesem Krieg (nun) von Seiten der Feinde   keine Rücksicht auf Menschen, keine Schonung und kein Vorrecht von Geschlecht und Alter genommen werde… Hier gebe es „keine Scham und Ehrfurcht. Hier gibt es nur eines: vernichtet oder vernichtet werden. So führt der Gegner diesen Krieg.“ Soweit der NSFO des AOK 4.
Meine Worte dazu direkt anschließend: „Diese ‚Analyse‘ hatte etwas Wahres, aber der letzte Satz war pure Propaganda. Denn auch die Wehrmacht führte diesen Krieg so, vor allem im Osten; diese Brutalisierung ist vielfach und zweifelsfrei belegt worden, von Anfang an war auf deutscher Seite im Osten von einem „Vernichtungskrieg gegen den Bolschewismus die Rede.“ Diese Schlussbeurteilung des Autors erwähnt der Rezensent bewusst (?) nicht.




Rezensent:
„Leute wie der GFM Walter Model waren ‚Lichtblicke für die NS-Führung der Wehrmacht“, zitiert der Rezensent den Autor richtig. Und dann: „Dass jener Model sich am 21. April 1945 das Leben nahm und nicht am 18. April, wie Lapp schreibt (S. 105), ist .. nur einer der zu monierenden inhaltlichen Fehler.“

Kritik:
Zugegeben, das war ein Fehler. Aber das ist in der Rezension der einzige sogenannte „inhaltliche Fehler“, der erwähnt wird. Warum nur dieser eine? Welche anderen „inhaltlichen“ Fehler sind dem Rezensenten noch aufgefallen? Gibt es sie überhaupt? Wenn sich der Rezensent nur an diesem „Zeitfehler“ festhalten muss (bei nur 3 Tagen Unterschied), scheint er weiter nichts gefunden zu haben. Anderenfalls hätte das in die Rezension gehört. Die leicht abweichende Angabe über den Zeitpunkt des Selbstmords des GFM Model als „inhaltlichen“ Fehler zu bezeichnen, ist im Übrigen mehr als kleinkariert. Vielleicht reicht der Rezensent auch noch die genaue Uhrzeit nach.



Rezensent:
Abschließendes Urteil des Rezensenten: Die „vorliegende Arbeit (wirkt) wie ein rasch heruntergeschriebenes Essay, dem es am notwendigen Esprit fehlt. Dass der Autor neun seiner zehn angehängten Kurzbiographien mit Wikipedia-Einträgen belegt, spricht ebenfalls für ein allzu rasch verfasstes Buch, das keinerlei Mehrwert bietet: Dokumente und Erkennt-nisse sind bekannt und größtenteils seit Jahrzehnten veröffentlicht; die eigene Fragestellung findet keine Bearbeitung, eine Methode oder logische Struktur ist nicht erkennbar; Lapps Kommentare sind über weite Strecken wenigstens unbedarft, oft schnodderig und an nicht wenigen Stellen verfälschend. Dafür steht sinnbildlich die Aussage, das Attentat vom 20. Juli 1944 habe ‚eine Flut von fettigen Ergebenheitsadressen an das Führerhauptquartier
(ausgelöst), die wie bestellte Arschkriecherei wirkten. (S. 71). Dieses Buch ist überflüssig.“


Kritik:
Die zehn Kurzbiographien führender NSFO sind keinesfalls nur mit Wikipedia-Einträgen belegt, sechs Biographien geben außerdem eine Reihe von anderen Quellen an. Dass das Buch dem Rezensenten keinen „Mehrwert“ bescherte, bedauert der Autor. Das hatte er auch nicht vermutet, da er wusste, dass sich Militärhistoriker mit dem Thema vollständig auskennen. Aber diese Studie ist nicht für Wissenschaftler verfasst worden, sondern für den sogenannten „Otto Normalverbraucher“, also für den Bürger, der sich zunächst erst einmal aus einem zeithistorischen Anfangsinteresse heraus über die Materie informieren möchte. Bewusst wurde, wie erwähnt, kein wissenschaftlicher Anspruch erhoben. Der Rezensent hat das offenbar nicht erkannt. Aber beim Lesen hätte er das merken und sich damit die Mühe ersparen können, über das „überflüssige“ Buch etwas zu Papier zu bringen. Ist eine Rezension über ein als überflüssig beurteiltes Werk nicht selbst überflüssig, zumal dann, wenn diese in der führenden deutschen Zeitschrift für Militärhistoriker erscheint?




Fazit:
Die hier in Rede stehende Arbeit des Oberstleutnants John Zimmermann ist meiner Meinung nach eine Schmäh-Rezension, die letztlich nur auf die Rufschädigung des Autors abhebt. Die meisten der „Bewertungen“ des Rezensenten sind nicht sachlich-neutral, sondern zielen darauf ab, dem Autor und seinem Buch zu schaden. Am meisten ins Gewicht fällt dabei die Aussage des höheren Offiziers in Diensten des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam, wonach angeblich meine Kommentare „an nicht wenigen Stellen verfälschend“ seien. Beweise bzw. Beispiele werden dafür in der Rezension nicht genannt. Darin sehe ich eine „unwahre Tatsachenbehauptung“, die kein Publizist einfach hinnehmen wird.

 
Datenschutzerklärung